Hartmut Burg sprach mit Laienprediger Karl-Friedrich Riewe
K&q: Seit Februar 2009 bist Du nun Laienprediger und hältst Gottesdienste. Am 14.11. wirst Du ja bei uns in der Johanneskirche predigen. Was ist eigentlich ein Laienprediger?
K.-F. Riewe: Der Name Laienprediger, den wir in Westfalen noch tragen - in den anderen Landeskirchen heißt er oder sie Prädikant/-in, drückt gut aus, was wir sind und welche Aufgaben wir in evangelischen Gemeinden übernommen haben. Wir sind engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Berufen, die von der Gemeinde zur "Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung" berufen sind. Jeder von uns hat vor der Berufung längere Erfahrung in Kinder-, Jugend-, Familien-, Frauen-, oder Seniorenarbeit gemacht, hat Andachten, Bibelarbeiten und Vorträge gehalten und Gottesdienste mitgestaltet.
Wir sind im Kirchenkreis Gütersloh 18 Männer und Frauen, in Westfalen ca. 400, die von den Presbyterien ihrer Gemeinden für die Schulungen angemeldet und dann von den Superintendenten und der Landeskirche berufen wurden.
K&q: Wie ist die Ausbildung?
K.-F. Riewe: Beim Landeskirchenamt in Bielefeld gibt es eine lange Warteliste, denn das Interesse der Gemeinden an Laienpredigern ist groß, so dass in diesem Jahr im Institut für Aus- und Weiterbildung der Ev. Kirche von Westfalen in Villigst/Schwerte zwei parallel laufende Kurse eingerichtet wurden.
In den Kursen geht es ausschließlich um Predigtlehre (Homiletik) und Liturgik. Ich hatte einen Gütersloher Pfarrer als Mentor und Berater für meine zehn Predigtentwürfe, die ich per Mail bei meinem Seminarleiter in Villigst einreichen musste. Es gibt während des Kurses Predigten der Teilnehmer in den zwei Kapellen und Kritikgespräche der Seminarleiter.
Es wird in Westfalen großer Wert daraufgelegt, dass Berufstätige zeitlich auch diese Ausbildung absolvieren können. So waren in meinem Kurs z.B. die Inhaberin eines Reisebüros und Mutter von vier Kindern, ein Industriemeister im Schichtbetrieb und ein Professor und Richter beim Bundesverwaltungsgericht. Meine Ausbildung endete mit einem Probegottesdienst, den ich mit unserem Chor der Region West in der Kreuzkirche der Westfälischen Klinik gefeiert habe und mit der Beurteilung durch den Superintendenten. Einige Wochen später erhielt ich dann die Vokation im Rahmen eines Gottesdienstes in der Apostelkirche und einem wunderschönen Gemeindeempfang der mich entsendenden Gemeinde Stadtmitte.
K&q: Was hat Dich dazu bewogen, Laienprediger zu werden?
K.-F. Riewe: Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich am Ende einer Gruppenstunde in der Jugendarbeit, später im Familienkreis und in der Gemeinde Andachten halten müssen. Ich selbst habe am meisten davon profitiert, weil ich mich regelmäßig intensiv mit biblischen Texten beschäftigen musste, bei sehr kritischen Zuhörern, die mich genau kannten.
Ein Artikel in unserer Kirchenzeitung UK über die "Laienpredigt" war für mich Auslöser, den Gemeindepfarrer zu fragen.
K&q: Was macht Dir bei dieser Aufgabe besondere Freude?
K.-F. Riewe: Meine erste Aufgabe, die mir vor die Füße gelegt wurde, war die Vakanz in der LWL-Klinik durch den Weggang von Pfarrer Feld in die Leitung der Diakonie nach Oldenburg. Gottesdienst in der Kreuzkirche oder auf einer Station ist immer noch etwas Besonderes für mich. Menschen lassen sich nur schwer einladen: "Heute nicht, mir geht es doch so schlecht." - "Kommen Sie, das ist für Sie Therapie," sagt die Schwester, und der Krankenpfleger ergänzt, "der Pastor wartet schon." Und dann kommen sie aus ihren Zimmern, mit Blick auf den Fußboden, unsicher, es dauert bis alle sitzen. Die Älteren brauchen meine Liederzettel nicht, sie können "Wer nur den lieben Gott lässt walten" und den 23. Psalm, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser auswendig.
Sie gehen anders als sie gekommen sind, - aufrecht, mit anderen unterhalten sie sich.
Ich könnte aus den Gemeinden auch Reaktionen schildern, die Mut machen und Freude aufkommen lassen, Gottesdienste und Abendmahl als "Laie" zu gestalten.
K&q: Gibt es auch Probleme?
K.-F. Riewe: Die sind bisher, Gott sei Dank, ausgeblieben.
K&q: Erzählst Du uns etwas von Deinem beruflichen und familiärem Hintergrund?
K.-F. Riewe: Ich habe Industriekaufmann bei Miele gelernt. Später nach ein paar Jahren Berufstätigkeit und Wehrdienst war ich Student der FH Bielefeld zum Betriebswirt (grad). Meinen Beruf habe ich sehr gemocht, weil immer neue Herausforderungen auf uns zu kamen. Über 20 Jahre Aufbau und Leitung der kaufmännischen Aus- und Weiterbildung, danach 12 Jahre Leitung einer großen Logistikabteilung mit vielen Auslandskontakten haben mich doch sehr geprägt.
Meine Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, inzwischen alle berufstätig, sind ein Glücksfall. Wir haben liebevolle Kontakte und helfen uns gegenseitig.
K&q: Du arbeitest ja auch noch an anderen Stellen in unserer Kirchengemeinde mit…
K.-F. Riewe: Ja, ich halte es für wichtig, dass unsere Innenstadtkirchen zum Gebet während der Woche geöffnet sind. Darum beteilige ich mich an der Kirchenöffnung der Martin-Luther-Kirche und halte dort auch an jedem Freitag die "Gebetszeit" um 18 Uhr.
Ich bin Mitglied des Martin-Luther-Kirchen-Ausschusses und des Christenrates, singe im Chor der Region West mit großem Vergnügen mit und vertrete weiter auch den neuen Klinikpfarrer der LWL-Klinik.
K&q: Vielen Dank für das Interview.

